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Die Banjara und ihre Stickereien
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Beste, Michael
Michael Beste was born in Germany in 1950 and holds a degree in chemistry. After finishing university he lived in India for several years, travelling all over the country, sometimes working as a chemist. . While living there he became fascinated by the arts and traditions of the country and its peoples. On his return to Germany in the mid-80's, he set up Noah's Ark - a gallery which reflects his love and respect for the wealth and diversity of India's culture through the ages.

www.m-beste.de


 
By Beste, Michael
Published on 13 April 2009
 
Anfang der neunziger Jahre sah ich zum ersten mal Stickereien der Banjara. Ich war auf einer Einkaufsreise in Gujarat auf der Suche nach alten Textilien. Ich wollte eine repräsentative Sammlung indischer Stücke zusammentragen.  Seit einigen Jahren verfolgte ich dieses Ziel und ich war recht erfolgreich.  Meine Schränke daheim waren ziemlich voll, im Bücherschrank standen alle verfügbaren Bücher und Veröffentlichungen und mir fehlten eigentlich nur noch wenige Typen.  Genauer gesagt, ich war auf der Suche nach alten Turbanen aus Rajasthan - ich sollte sie einige Wochen später in der Nähe von Jaipur finden - und nach guten tie- and- dye odhinis und patolas, die ja auch aus Gujarat kommen.  Bis jetzt war ich mit meinen Einkäufen zufrieden.

Manchmal verwenden die Weber einen goldenen Faden, um ein Tuch schöner zu  machen. Die Banjara sind der goldene Faden im reichen kulturellen Erbe  Indiens.
Indira Gandhi, 1966, Gulbarga


Anfang der neunziger Jahre sah ich zum ersten mal Stickereien der Banjara.

Ich war auf einer Einkaufsreise in Gujarat auf der Suche nach alten Textilien. Ich wollte eine repräsentative Sammlung indischer Stücke zusammentragen.  Seit einigen Jahren verfolgte ich dieses Ziel und ich war recht erfolgreich.  Meine Schränke daheim waren ziemlich voll, im Bücherschrank standen alle verfügbaren Bücher und Veröffentlichungen und mir fehlten eigentlich nur noch wenige Typen.  Genauer gesagt, ich war auf der Suche nach alten Turbanen aus Rajasthan - ich sollte sie einige Wochen später in der Nähe von Jaipur finden - und nach guten tie- and- dye odhinis und patolas, die ja auch aus Gujarat kommen.  Bis jetzt war ich mit meinen Einkäufen zufrieden.


Kleine Tasche (datanya, kanshija), ca. 11x23 cm. Wolle, Baumwolle, Kaurischnecken.Karnataka oder Andhra
Pradesh.

Bevor ich nach Mumbay zurückflog wollte ich noch einige Tage in Bhuj verbringen.  Bhuj ist eine sehr alte wunderschöne Stadt in Gujarat im äußersten Westen von Indien.  Zu dieser Zeit fand man hier kaum Touristen und ich versprach mir einiges von diesem Aufenthalt.

Um es kurz zu machen, ich fand hier weniger Textilien und Schmuck als erwartet, aber aus den paar Tagen wurden doch mehr als zwei Wochen.  Die Stadt mit ihrer Umgebung und ihre Menschen hatten mich in ihren Bann gezogen.

Indien, wie ich es mir immer erträumt hatte; eine Zeitreise, ein paar Jahrhun¬derte zurück.
Eines Tages, etwas außerhalb der Stadt, besuchte ich einen befreundeten Händler und fragte ihn, ob er noch irgend etwas Interessantes für mich hätte.  Er brachte einen größeren Sack und schüttete dessen Inhalt vor meine Füße.  Eine endlose Anzahl kleiner und kleinster Textilstücke, rechteckig, quadratisch, mit und ohne Kaurischnecken, mit und ohne Spiegel¬chen - vor allem aber verschmutzt und staubig.

Beim näheren Hinsehen konnte ich feststellen, dass es sich um Stickereien handelte, hauptsächlich gehalten in allen Schattierungen von Rot, Gelb und Ocker; bei einigen konnte ich feststellen, dass es sich um Täschchen handelte, einige sahen aus wie Gürtel, die meisten waren rechteckige und quadratische bestickte Tücher. Trotz allem Schmutz fiel mir sofort die Feinheit der Stickerei ins Auge.

Am stärksten berührten mich aber die Muster.  Sie unterschieden sich von allem, was ich in Indien bisher gesehen hatte.  Keine Spur von Blumen, Pfauen, Elefanten oder den starren geometrischen Mustern von Baghs und Phulkaris.  Ich sah, von wenigen Ausnahmen abgesehen, abstrakte Kreationen, geschaffen mit einem instinktiven Gefühl für Proportionen und Farben.

Mein Freund sagte mir diese Stücke stammten von den Banjara.
Natürlich erwarb ich den größten Teil diese Sackes. Nachdem ich die Stickereien hatte reinigen lassen bestätigte sich meine anfängliche Faszination; Neugier kam dazu.

Im Laufe der nächsten Zeit erwarb ich noch mehr Stücke; gleichzeitig versuchte ich alle verfügbaren Informationen über diese Textilien und ihre Hersteller zu bekommen.


Kübelförmige Umhängetasche
Seitenlänge ca. 16x21 cm, Länge des Umhängebandes ca. 59 cm
Baumwolle, Bleianhänger, Metallringe
Karnataka, wahrscheinlich Gebiet von Shimoga


Die Faszination nahm nicht ab; alles, was ich über die Banjara erfahren konnte, wurde zusammengetragen - damals tauchte das erste mal der Gedanke an eine Veröffentlichung auf.

Dies erwies sich als schwieriger als angenommen. Informationen widersprachen sich, Veröffentlichungen gab es kaum und die Banjara, die ich traf, waren nicht sehr gesprächig.  Mit Hilfe von  Freun¬den in Indien und in Deutschland gelang es mir aber doch genügend Material zu bekommen, um mich an die selbstgestellte Aufgabe zu machen.

Vor einiger Zeit sah ich Fotos aus Indien, aufgenommen in den Achtziger Jahren: Frauen der Banjara in ihren traditionel¬len Trachten - bunt und vollbehangen mit Schmuck, auf dem Kopf schwere Lasten von Ziegelsteinen - auf einer Baustelle in Trombay östlich von Mumbay.

Am Abend kehrten die Banjara dann wieder zurück in ihre traditionelle Siedlung, Tanda genannt, zurück  Hier wurde damals das erste indische Kernkraftwerk gebaut.

Mittelalter und Atomzeitalter.
Ein Autor bezeichnet die Banjara als "lebenden Anachronismus".
Mir gefällt besser Childers Beschrei¬bung:“ ... die Banjara bewegen sich in den Zwischenräumen der sozialen Ordnung, sie sind nicht in ein bestimmtes soziales System eingebun¬den.“

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